Ordo Fratrum Minorum Capuccinorum

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updated 6:22 AM CEST, Aug 6, 2020

Franz von Assisi

Franz von Assisi ist wohl der bekannteste und populärste Heilige der Christenheit. Bis heute fasziniert er die Menschen, Dichter, Maler und die, die sich für die Armen oder für die Bewahrung der Umwelt einsetzen.

Giovanni Bernardone - so hiess er eigentlich - wurde im Jahr 1181 oder 1182 in Assisi geboren. Er war der Sohn von Pietro Bernardone, einem reichen Tuchhändler. Als er auf die Welt kam, war sein Vater gerade auf einer Handelsreise in Frankreich unterwegs. Nach seiner Rückkehr nannte der Vater seinen Sohn „Francesco“, möglicherweise in Erinnerung an diese Reise nach Frankreich. Der Vater hatte ihn von allem Anfang an für den Eintritt in sein Geschäft bestimmt. Franz besuchte die Schule in Assisi an der Kirche San Giorgio. Dank dieses Schulbesuchs lernte er lesen und schreiben, erwarb er sich Kenntnisse der Bibel, besonders der Evangelien und der Psalmen. Die Jahre der Jugend verbrachte Franziskus im Kreis seiner Altersgenossen, spendabel, mit spielerischem Gehaben und immer mit dabei bei Gelagen und Tanzvergnügungen. Aber er arbeitete auch im Geschäft seines Vaters. Er bemühte sich die gehobene Stellung eines Ritters zu erlangen, was auch anderen Bürgersöhne als höchstes Ziel vor Augen stand. Aus diesem Grund beteiligte er sich im Jahr 1198 an der Erhebung der Bürger von Assisi gegen den Herzog Konrad von Urslingen, und vier Jahre später am Krieg zwischen Assisi und Perugia. In der Schlacht von Collestrada wurde er gefangen genommen und verbrachte etwa ein Jahr als Gefangener in Perugia. Er wollte auch am Krieg des Grafen Gentile teilnehmen. Dieser musste sich auf Ersuchen von Papst Innozenz III. nach Süditalien und Sizilien im Bewegung setzen, um der sich immer mehr ausbrechenden Anarchie ein Ende zu setzen. Im letzten Augenblick nahm Franz von diesem Kriegszug Abstand. Man sagt, ein geheimnisvoller Traum habe ihn dazu bewogen. Der Traum habe ihn vor die Frage gestellt: Wem willst du eher dienen: dem Sklaven oder dem Herrn?

Die Anfänge der Bekehrung des Franziskus gehen auf das Jahr 1202 zurück. Er spricht darüber selber in wenigen, aber eindeutigen Worten: „Der Herr sagte mir, Bruder Franz, in dieser Weise solle ich mit der Busse anfangen: Als ich noch in Sünden weilte, schien es mir bitter, die Aussätzigen zu sehen. Der Herr selbst hat mich unter sie geführt und ich erwies ihnen Barmherzigkeit. Und als ich von ihnen wegging, wurde mir das, was mir bitter schien, in Süssigkeit für Seele und Leib verwandelt. In der Folge blieb ich nur noch kurze Zeit in der Welt, dann verliess ich sie“ (Testament 1-4). Ein besonderes Ereignis auf dem dem Weg der Bekehrung des Franz von Assisi soll nach Bonaventura ein mystisches Erlebnis gewesen sein: Christus habe ihm vom Kreuz herab geboten, er solle die Kirche, die am Einstürzen war, wieder aufrichten. Beide Ereignisse, die Begegnung mit dem Aussätzigen und die Schau des Gekreuzigten, müssen sich nicht widersprechen, es handelt sich um verschiedene Etappen auf dem Weg der Bekehrung. Franz verstand den Ruf des Gekreuzigten wortwörtlich: Um das Jahr 1206 begann er ein Leben als Eremit und machte sich daran, kleine zerfallene Kirchlein in der Umgebung von Assisi zu renovieren. Die Kosten für die Renovationen deckte er aus der Kasse seines Vaters. Die Auseinandersetzung mit seinem Vater über den Wechsel seines Lebenswandels, besonders dass er Geld für die Armen und für die Renovationen der Kirchen verbrauchte, gipfelte in einem Prozess vor dem Bischof von Assisi. Franz verzichtete auf das ihm zustehende Erbe und gab dem Vater die Kleider, die er anhatte, zurück. Er verliess Assisi und arbeitete zunächst in der Küche der Benediktinerabtei San Verecondo. Danach diente er den Aussätzigen in Gubbio. Nach seiner Rückkehr in seine Heimatstadt Assisi hörte er am 24. Februar 1208 in der Messe die Worte des Evangeliums über die Aussendung der Apostel. Er empfand diese Worte als an sich persönlich gerichtet. Darauf begann er ein Leben strengster Armut, widmete sich der Wanderpredigt und rief alle zur Umkehr auf. Seinen Lebensunterhalt bestritt er mit Gaben, die er in Assisi von Tür zu Tür erbettelte.

Er hatte nicht die Absicht, in der Kirche eine neue Institution zu errichten, er bemühte sich auch nicht um Gefährten. Einige Monate (1208/09) später kamen sie von sich aus zu ihm. Alle stammten aus Assisi und Umgebung. Sie wurden zu Zeugen seiner Verwandlung: Bürger von Assisi Bernard von Quintavalle, der Jurist Peter Catani, Ägidius von Assisi, der Priester Silvester, ein verarmter Adliger, Morico, Sabatino, Johannes von Capella und weitere Gefährten. In der ersten Gefährtengruppe waren alle sozialen Schichten der damaligen Zeit vertreten. Franz sandte sie zu Zweien auf Mission: Sie sollten mehr mit ihrem Beispiel als mit ihren Worten predigen. Nach ihrer Rückkehr um 1209 liess sich die neue Brüdergemeinschaft im Taubenschlag von Rivotorto nieder. Einige Monate später verlegten sie den Wohnsitz in die Portiunkula, einer kleinen Kirche, die der Heiligen Maria von den Engeln geweiht war. Franz hatte dieses Kirchlein von den Benediktiner geschenkt erhalten; es war die, die er als erste renoviert hatte. Portiunkula wurde zum sichtbaren Zeichen der Armut des Heiligen: Er wollte nichts zu eigen haben, er wollte die Dinge nur geliehen.

Die wachsende Gemeinschaft brauchte bald einmal eine Regelung für ihr gemeinsames Leben. Sie sollte sich ergeben aus einigen Sätzen des Evangeliums, die von der Verkündigung der Frohen Botschaft sprachen, von der Notwendigkeit, sein eigenes Kreuz zu tragen, von der Nachfolge Christi und vom Verzicht auf jegliches Eigentum. Als die Zahl der Brüder auf zwölf gestiegen war, begaben sie sich nach Rom. Dort unterbreitete Franz dem Papst Innozenz III. die Bitte, ihre Lebensweise zu bestätigen. Diese Bitte erregte bei vielen Kardinälen schwere Bedenken, ob ihre Armut nicht zu radikal sei und ob sich da nicht eine neue Häresie ankündige. Schliesslich approbierte Papst Innozenz III. im Jahr 1209 wenigstens mündlich ihre Lebensweise. Franz wollte, dass die Brüderschaft den Namen „Orden der Minderen Brüder“ annehme. Früher gab es andere Bezeichnungen wie etwa „Büsser aus Assisi“. Da die Brüdergemeinschaft zahlenmässig rasch grösser wurde (um 1220 waren es bereits mehr als 3000 Brüder) und das Leben die Brüder immer mehr vor neue Fragen stellte, mussten sie feststellen, dass die ursprüngliche Regel nicht mehr genügte. Auf den jährlichen Treffen aller Brüder schuf man neue Anweisungen und Normen, die schliesslich zu einem recht dicken Dokument von 24 Kapiteln zusammengestellt wurde. Dazu wuchsen unter den Brüdern unterschiedliche Vorstellungen über die Ziele der Gemeinschaft: äussere Missionen? Predigttätigkeit? exklusiv meditatives Leben? Franz war nicht der Meinung, dass er diese Fragen im Alleingang lösen müsse. Er zählte auf das Wirken des Heiligen Geistes und überliess es den Brüdern, sich darüber ins Klare zu kommen, was sie tun mussten und wie sie vorgehen sollten. Mit Hilfe des Kardinal Hugolin von Segni und unter Beizug fachkundiger Brüder (Cesario von Spira, Bonizio von Bologna) verfasste er die definitive Fassung der Regel. Diese Fassung wurde von Papst Honorius III. mit der Bulle Solet annuere vom 29. November 1223 bestätigt. Auf dieser Regel beruht noch heute die Lebensordnung aller Zweige des Ordens der Minderen Brüder. In der Nacht vom 24./25. Dezember 1223 lies Franz in Greccio zum ersten Mal in der Geschichte eine Krippe herrichten. Der Brauch verbreitete sich in den folgenden Jahren in ganz Europa, später in der ganzen Welt.

Die letzte Lebensphase wurde für Franziskus äusserst schmerzhaft. Da war eine Augenentzündung, die er im Heiligen Land, wohin er in den Jahren 1229-1220 gepilgert war, aufgelesen hatte. Dann kamen die Stigmata hinzu, die er in der Einsamkeit auf La Verna empfangen hatte. Im September 1224 hatte er nämlich eine Vision von Christus, der ihm in der Gestalt eines Seraphs erschienen war, ihm Hände, Füsse und Seite durchbohrte. Die Stigmata waren Zeichen der besonderen Erwählung des Heiligen durch Gott. Sie waren sehr schmerzhaft und hinderten ihn beim Gehen oder wenn er mit der Hand etwas ergreifen wollte. Dazu kamen schliesslich noch die moralischen Leiden: Franz spürte, wie ihm die wachsende Zahl der Brüder, die offensichtlich bequemer wurden und das Leben nach dem Evangelium nicht mehr verstanden, immer mehr entglitt. Die Heilungsversuche an den Augen, das Brennen mit einem glühenden Eisen, brachte kein zufrieden stellendes Ergebnis. Als Franz sein Ende nahen sah, liess er sich nach Portiunkula bringen. Dort beschloss er umgeben von seinen Brüdern am 3. Oktober 1226 sein Leben. Er liess sich nackt auf die blosse Erde legen, denn er wollte ganz arm, ohne jeden Besitz, sterben. Bereits zwei Jahre nach seinem Tod, im Jahr 1228, hat Papst Gregor IX. (der frühere Kardinal Hugolin) ihn heilig gesprochen. Ursprünglich wurde sein Leib in der Kirche San Giorgio in Assisi bestattet. Im Jahr1230 wurde er in die ihm erbaute und geweihte Basilika San Francesco übertragen; diese war zu diesem Zweck erbaut worden. Dort finden sich die Reliquien des Heiligen noch heute.

Franz hat folgende Schriften verfasst: Nicht approbierte Fassung der Regel 1221, approbierte Regel von 1223, Regelfragmente, Testament, einige Briefe, darunter Brief an den ganzen Orden, Brief an die Gläubigen, Brief an Br. Leo, Gebete, Lobpreisungen, Ermahnungen.

Br. Roland Prejs OFMCap

Letzte Änderung am Mittwoch, 05 Februar 2014 15:41