Ordo Fratrum Minorum Capuccinorum

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updated 10:25 AM CEST, Jul 11, 2020

Fünfter Brief des Generalministers

Prot. Nr. 00339/20

An alle Höheren Oberen
An alle Brüder
An ihren Orten

Liebe Brüder,

Der Herr gebe euch den Frieden

Noch einmal wende ich mich an euch. Ich glaube, dass ich auf diese Weise es erreichen kann, dass wir uns in dem, was in diesen Zeiten dem Orden widerfährt, einander verbunden fühlen. Wir sind alle genötigt, uns in unseren Klöstern einzuschließen und mussten auf viele Monate - von mir und den Generalräten lange schon vorbereitete Besuchsprogramme, Kapitel und Treffen mit euch fallen lassen. Ebenso erging es den Mitarbeitern der zentralen Büros des Ordens; sie tragen doch viel zur Animation aller Brüder bei.

Besonders möchte ich ein weiteres Mal jene Brüder in Erinnerung rufen, die den Kontakt mit dem neuen Virus am eigenen Körper erfahren haben. Vor allem möchte ich das Gedächtnis jener Brüder ehren, die wegen des Virus ihr Leben beendet haben. Gut 30 Brüder sind in verschiedenen Provinzen des Ordens am Virus gestorben. Ohne jemanden vergessen zu wollen, verspüren wir doch eine besondere Nähe zu unseren Brüdern in Quebec, die - wie ihr wohl schon wisst - innert kurzer Zeit acht Brüder verloren haben. Hier an der Kurie gedenken wir jedes einzelnen, wie wir das schon immer tun.

Auf Grund eurer Bulletins und anderer Benachrichtigungen wissen wir um die zahlreichen karitativen Aktivitäten, die die Brüder an verschiedenen Orten unternommen haben, besonders dort wo die Pandemie für die armen Leute Hunger und Not geschaffen hat. Mit hervorragender Kreativität haben viele von uns die verschiedenen Kanäle der digitalen Kommunikation aktiviert und damit mit Sicherheit auf verschiedene Art und Weisen Menschen geholfen und ihnen Unterstützung gebracht. Ich kann mich nur mit euch darüber freuen und segnen, was ihr getan habt.

In Italien und in Europa verbessert sich die Lage sehr rasch und es fehlt nicht viel, dass wir bald einmal uns frei und sicher werden bewegen können. Für weite Gebiete der Welt ist es noch nicht so weit, und wie ihr wisst, gilt das für ganze Kontinente. Es braucht noch Zeit, bis wir voll begreifen, wie wir uns an diese ungewohnten Situationen anpassen müssen. Mit dem Generalrat haben wir bereits einige operative Pisten festgelegt.

Was die zahllosen Kapitel angeht, die wir aufschieben mussten, ist jeder Generalrat gehalten, die Situation eines jeden Ordensbezirks seiner Zuständigkeit mit den vor Ort Verantwortlichen zu klären:

  • Es geht vor allem darum zu prüfen, ob man für die Feier der Kapitel andere Daten festlegen kann. Diese müssen in vernünftiger Zeit und in Übereinstimmung mit den Bestimmungen unserer Konstitutionen (bis sechs Monate im Nachhinein) festgelegt werden. Wenn das unter Berücksichtigung der lokalen Verhältnisse möglich ist, sollen die Kapitel unter dem Vorsitz des Generalrats des Gebiets oder    unter einem dafür delegierten Bruder in gewohnter Form abgehalten werden.
  • Im Einzelfall kann auch der Vorschlag, den einige Provinziale gemacht haben, geprüft werden: Wenn es nicht möglich ist, innerhalb eines vernünftigen Zeitraums ein ganzes Kapitel abzuhalten, könnte es sich als leichter erweisen, die Kapitularen für einen Tag einzuberufen, ihnen den Triennalbericht zu präsentieren und die Wahlen der neuen Oberen durchzuführen. Die Behandlung der andren Themen, die die Provinz beschäftigen, könnte auf ein nachfolgendes, außerordentliches Kapitel verschoben werden. Das scheint mir, ein gangbarer Weg zu sein, wenn auch nicht für alle.
  • Bereits kommen zu uns verschiedene Anfragen, ob man in dieser außerordentlichen Situation nach Nr. 133 der Konstitutionen die neuen Oberen nicht ernennen könnte. Ich möchte diese Option als letzte mögliche ansehen, auch wenn ich mir bewusst bin, dass sie bereits in einigen Fällen vorgeschlagen wird , in denen sie unter Berücksichtigung der Umstände als einzig mögliche erscheint und nur so das Leben der Fraternität ungestört weiter gehen kann.

Ich bitte euch, mit den Generalräten in ständigem Dialog zu stehen. Sie können mich und den Rat mit aller Sorgfalt auf dem Laufenden der Geschäfte halten. Ich möchte die Provinzialminister schließlich noch daran erinnern, dass sie gegenüber den verschiedenen Kustodien, die von ihnen abhängig sind, in gleicher Weise vorgehen; dabei ist jeweils der Generalminister zu informieren.

Wenn es auch noch einige Monate dauert, teilen wir unter der Berücksichtigung der Situation die Ansicht, dass wir klugerweise auch das für die ersten Tage im Oktober geplante panamerikanische Treffen in Panama verschieben. Während es allenfalls für die einzelnen Ordensbezirke leichter fallen wird, sich schon vorher zu treffen, scheint es nicht gegeben zu sein, ein Treffen auf kontinentaler Ebene durchzuführen, weil wir ja nicht wissen können, wie dann die Situationen in den so verschiedenen und so weit entfernten Gebieten aussehen werden. Ihr werdet genauere Informationen von den zuständigen vorbereitenden Kommissionen erhalten. Aber lasst mich ein Lob aussprechen für die intensive und präzise Arbeit, die bis jetzt schon geleistet wurde. Sie wurde nicht vergebens geleistet, man wird sie umso mehr dann wertschätzen, wenn wir uns schließlich doch treffen können. Danke an alle Brüder für ihren aktiven Einsatz!

Für uns alle wird diese so ungewohnte Situation vorübergehen. Und wenn wir es verstanden haben, uns, unseren Weg und unsere guten Werke den vorhersehenden Händen des Herrn mit großem Glauben anzuvertrauen, dann wird es uns allen unerwarteten Nutzen bringen. Ihn wünsche ich einem jeden, besonders jenen, die sich im Auge des Zyklon befinden und hoffnungsvoll auf bessere Tage warten, für sie alle und vor allem für die, die leiden.

Ich segne euch von Herzen, so gut ich es kann.

Rom, 31. Mai 2020
Pfingsten

Br. Robert Genuin     
Generalminister OFMCap

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Letzte Änderung am Montag, 01 Juni 2020 15:13
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