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Setzt Jesus in die Mitte!

Setzt Jesus in die Mitte!

Interview mit Br. Celestino Kardinal Aos OFMCap
Erzbischof von Santiago del Cile

1. Wie entstand Deine Berufung zum Kapuziner?

Ich bin Kapuziner geworden, weil ich die Kapuziner in meinem Dorf kennen gelernt habe. Da kam ein Pater, ein Priester, um die Heilige Messe zu feiern; hier lebte seine Familie. Es kam aber auch ein Laienbruder, um Almosen zu sammeln. Diese Brüder kannte ich; sie waren populär und auch heilig. So wollte auch ich Kapuziner werden, ein Priester und heilig.

2. Welche Erinnerungen hast Du an Deine Ausbildungszeit?

In diesen Tagen, in denen ich in Sancta Martha (Vatikan) in Quarantäne war, war eine der geistlichen Übungen, die ich machte, die, dass ich auf meine Ausbildung zurückschaute. An meinem geistigen Auge zogen, einer nach dem anderen, alle wichtigen Momente vorbei, insbesondere die Ausbilder von Alsasua, Saragossa, mein Novizenmeister. Ich komme aus einem der damals zwei Noviziate und hatte P. Lazzaro Iriarte aus Apurz (1913-1997) als Novizenmeister, dann auch in Theologie. Je öfter ich jene Männer, die ich angetroffen habe, vor meinem geistigen Auge gesehen habe, desto mehr habe ich sie bewundert. Ich habe Gott gedankt, denn ich habe – das kann ich ruhig laut sagen – wirklich Priester, Ordensleute, Kapuziner, Brüder getroffen, die mich erstaunen ließen und die ich noch heute bewundere wegen ihrer Tugend und Heiligkeit, sie waren wahrhaft Brüder. Wir hatten und wir haben große Männer und Gott sei Dank große Erzieher wie Br. Lazzaro, der nicht so sehr mit seinen Vorträgen erzogen hat als vielmehr mit dem Beispiel seines Lebens.

3. Der Orden hat quasi 2000 junge Brüder in der Einführungsphase bis zur Ewigen Profess. Welchen Rat würdest Du ihnen geben, um ihnen zu helfen, tüchtige Mindere Brüder zu werden?

Diesen jungen Brüdern in Ausbildung würde ich als Erstes sagen, dass sie sich in Jesus Christus verlieben sollen, dass sie Jesus Christus in die Mitte rücken, denn ohne dies geht alles zunichte! Nicht eine Theorie des Franziskanertums, des Umweltschutzes oder der Ökologie stehe im Zentrum, sondern Christus als Person. Christus ist geboren von der Jungfrau Maria, die arme Mutter des armen Königs. Christus hat gelebt, ist gestorben und auferstanden. Christus liebt uns und erlöst uns. Das ist es, was zählt im christlichen und franziskanischen Leben.

An zweiter Stelle würde ich das raten, was ich in meinem Leben gesehen habe: dass sie die Augen offenhalten sollen, um die Brüder zu empfangen. „Der Herr hat mir Brüder gegeben”, sagt Franziskus in seinem Testament. Das ist wichtig. Auch die Erzieher sind Brüder, und jeder Bruder bildet aus. Die Brüder, die wir als Ausbilder haben, besitzen auch ihre Schwächen, ihre Mängel, aber trotzdem haben sie so viel Tugend und so große Qualitäten, dass du hier die Punkte findest, auf die du dich beziehen kannst.

An dritter Stelle würde ich etwas sagen, was der Novizenmeister mir mehrmals wiederholt hat, und später hat er es auch in der Theologie eingeschärft: das Wichtigste ist, dass du willig und bereit bist und keine Opfer scheust. Dein Intelligenzquotient kann mehr oder weniger hoch sein, du kannst spezielle Studien absolviert haben usw., sie werden kaum etwas nutzen. Wichtiger für einen Franziskaner ist das brüderliche Herz; das bildet sich von innen mit Hilfe des Heiligen Geistes und von außen mit Hilfe auch der Brüder. Es sind die Brüder, die dich heilig machen, wie ein Spruch lautet: Wenn du heilig werden willst, muss dein Bruder dich heilig machen. Das klingt etwas boshaft oder schelmisch, ist aber wahr. Wir werden Brüder, sind Kapuziner, wir kommen uns so nahe, dass wir nicht zögern, uns in den Kapuzinerorden zu verlieben; das ist etwas, was man nicht in den Büchern findet, sondern eben in diesen Ausbildern, in vorbildlichen Brüdern.

Das wünsche ich euch allen: gute Kapuziner zu sein, glückliche Personen. Allen und jedem Einzelnen Friede und alles Gute (Pace e bene a tutti e a ciascuno).

Verschriftlichung und Übersetzung des Interviews.

Das Interview mit Bruder Kardinal Celestino führte Br. Jaime Rey OFMCap, Generalsekretär des Büros für die Formation, im Dezember 2020.

Video - https://youtu.be/Zc4eh6MzXh0

 

Letzte Änderung am Mittwoch, 27 Januar 2021 12:21
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